Victoria Beckham – Frühjahr/Sommer 2015

Victoria Beckham ist Designerin und sie ist Geschäftsfrau. Das kann durchaus ein schwieriger Balanceakt sein, wie ihre neue Kollektion gesteht: Sie zeigt kommerzielle Entwürfe und eine breite Produktpalette auf Kosten der Kreativität.

Vor der Show verkündet sie: „Dieses Jahr eröffne ich mein erstes eigenes Geschäft in London und das zwingt mich, die DNA meiner Marke weiterzuentwickeln.“ Modekritikerin Suzy Menkes titelt für die Vogue: „Flats and Flowers that mean Business“ und spricht damit zwei wesentliche Erneuerungen in der Welt von Victoria Beckham an. Zum ersten Mal hat die Designerin ihre Schuhe selbst entworfen, nachdem sie jahrelang mit Manolo Blahnik zusammengearbeitet hat. Sie präsentiert: flache knöchelkurze Cowboystiefel aus weißem Leder und aus Ponyfell in Leopardenmuster sowie himmelhohe Plateauschuhe mit emeraldfarbenem Blockabsatz aus Samt. „An das Niveau ihrer erfolgreichen Taschen können sie noch nicht heranreichen“, urteilt die deutsche Elle. Genauso neu ist Beckhams Blumenmuster in Gelb und Pink, an dessen Anblick es sich erst zu gewöhnen bedarf. „Klug in kommerzieller Hinsicht, doch keinesfalls was die Schneiderkunst betrifft“, kritisiert auch Vanessa Friedman, Modechefin der New York Times.

Victoria-Beckham-LooksFoto: Victoria Beckham

Mit Naturverbundenheit überzeugt Victoria Beckham in anderer Hinsicht: Sie überrascht mit Mode aus Jute und Raphiabast. Daraus fertigt die Designerin Mäntel, Minikleider und Kombinationen aus ärmellosem Top und Midirock. Zusammen mit den aufgesetzten Taschen und den Ledergürteln, die durch Schlitze immer wieder zum Vorschein treten, präsentiert Posh den Utility-Chic par excellence. Dabei bleiben ihre Entwürfe immer typisch clean. An die Sanduhr-Silhouette, die Victoria Beckham zu Beginn ihrer Karriere so berühmt gemacht hat, erinnern die Taillengürtel nur noch leicht. Statt Celebrity-Dressing fokussiert sie sich nun verstärkt auf Wirtschaftlichkeit. Im Textileinzelhandel ist Strick immer ein Thema und so setzt Beckham auf Kleider und Röcke in Rippstrick sowie grob gestrickte Oversize-Sweater mit Schnürr-Details. Einzig den Blockstreifen-Strampler (die Designerin zieht den Begriff „Jumpsuit“ vor) kann man sich auf der Straße nicht wirklich und an Ms Beckham persönlich gleich zweimal nicht vorstellen. Die Taschen werden dafür wieder zu Bestsellern: Box- und Bucket-Bags aus glänzendem Krokodilleder.

Tragbar ist diese Kollektion, keine Frage, doch wo bleibt die glamouröse Abendgarderobe. Im Jutekleid zeigt sich dann doch kein Star auf dem roten Teppich. „Doch es gibt durchaus Abendkleider in der Kollektion für den Handel“, weiß Suzy Menkes von der Designerin. Auf dem Runway werden sie vermisst, nicht nur von der britischen Vogue. Der Telegraph bezeichnet es sogar als „Schande“, jeder Kleiderschrank brauche doch ein, zwei Hingucker. Wenn nicht auf dem Laufsteg, dann bleibt zu hoffen, die besagten Kleider an Victoria Beckham selbst zu entdecken. Bitte ohne Blumenprint.