Jean Paul Gaultier beendet Prêt-à-porter

Jean Paul Gaultier verabschiedet sich von der Ready-to-Wear. Gegenüber der Fachzeitung „Women's Wear Daily“ verkündet der Designer die Einstellung der Frauen- und Männerlinie.

Der schon lange ausbleibende (kommerzielle) Erfolg und der immer schneller werdende Rhythmus der Kollektionen sind wohl die Hauptgründe für diesen Schritt. Trends und Tragbarkeit – das kam Jean Paul Gaultier nie in den Sinn. Lieber zitiert er sich selbst und seine gekünstelte, experimentelle Mode aus glorreichen Tagen. Seinen „Cone Bra“ für Madonna aus dem Jahr 1990 zum Beispiel legt er in der Saison Herbst/Winter 2013/14 als Leder-Shirts neu auf.
Ein halbes Jahr später verwandelt Gaultier den Laufsteg in eine Tanzfläche. Passend dazu der Soundtrack: „Murder On The Dance Floor“. Eine große Party war es trotzdem, eine Bad-Taste Party. Und wie schreibt Barbara Markert von Modepilot: „Niemand, ich wiederholen niemand macht so lustige Schauen wie Jean-Paul Gaultier. Wegen der Mode ging da schon lange keiner mehr hin, alle wollten dabei sein wegen des Spektakels.“

Die heutige Modewelt ließe keine Zeit mehr, auf frische Ideen zu kommen, so Jean Paul Gaultier zu WWD. Das mag man gar nicht recht glauben, präsentierte der Designer doch erst noch für Herbst/Winter 2014/15 ein Chaos an Ideen. Die deutsche Elle schreibt in der Kollektionskritik: „Nahezu jedes Outfit kann hier für sich stehen und birgt eine ganz eigene Idee. Alles zusammen wirkt schließlich chaotisch und nur selten wie eine einzige Kollektion.“ Jean Paul Gaultier entwirft seit einigen Saisons eben nicht eine Kollektion, sondern sagen wir zehn Kollektionen in einer. Damit hat der Designer fleißig vorgearbeitet und sich sein frühes Fernbleiben von der Ready-to-Wear verdient.

In Zukunft möchte sich das Enfant terrible verstärkt der Haute Couture widmen. Mode machen, die nicht gekauft und selten getragen wird – Jean Paul Gaultier ist Meister darin. Auch die durchaus erfolgreichen Parfums fallen weiter in seinen Aufgabenbereich. Das heißt konkret: Alle paar Jahre die Verpackung verändern oder auch nicht. Damit findet Jean Paul Gaultier, das bleibt zu hoffen, nun endlich seine Bestimmung.